Vom Film …

Die Filmgruppe der Oskar-von-Miller-Realschule dreht über 40 Jahre hinweg Dokumentarfilme zur NS-Zeit. Als in den späten 80er Jahren die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland immer mehr zunahm, drehten wir auch Filme in Afrika und Indien, um die Angst vor dem Fremden abzubauen.

Im 40. Jahr Dokumentarfilmarbeit an der Oskar-von-Miller-Realschule in Rothenburg ist es an der Zeit, eine neue WEB-Seite aufzubauen, die unsere gesamte Filmarbeit vorstellt.

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Erste Filmgruppe

Wer sind wir?

Die doku Rothenburg, die Dokumentarfilmgruppe der Oskar-von-Miller-Realschule in Rothenburg ob der Tauber hat 1982 ihre Arbeit mit einem Dokumentarfilm über das Dorf Brettheim am Kriegsende 1945 begonnen. Anlass war die Tatsache, dass der mutige Großvater eines unserer Schüler zusammen mit zwei weiteren Dorfbewohnern von der SS hingerichtet wurde.

Seitdem haben 180 Filmschülerinnen und Filmschüler über 10 Schülergenerationen hinweg über 30 Filme an verschiedenen Schauplätzen der NS-Zeit in Europa in verschiedenen Sprachen der Welt gedreht. Dabei wurden aus den Lernenden sehr schnell Lehrende, denn die Erfahrungen der Schüler wurden von Schülergeneration an Schülergeneration weitergegeben. Diese Erfahrungen sind bis heute unser wertvollster Schatz für die Qualität unserer Filme.

Was haben wir mit unseren Filmen erreicht?

Inzwischen haben wir mit unseren Filmen in den fast 40 Jahren bei über 800 Veranstaltungen von San Francisco bis Moskau und von Dänemark bis an die Elfenbeinküste über 80.000 Menschen erreicht, im Ausland vor allem an den Goethe-Instituten. Nachdem wir mit dem Brettheim-Film erlebt haben, wie schwer sich die Veranstalter taten, nach dem Film zu einem Gespräch zu kommen, hatte die Filmgruppe beschlossen, die Filme selbst vorzuführen. Dies hatte zwei Vorteile: Die Filmschüler konnten danach auch über ihre faszinierende Arbeit am Film sprechen. Der zweite Vorteil: Ein Gästebuch – inzwischen acht Bände – begleitete über alle Jahre unsere Veranstaltungen. Damit haben wir wohl eine der umfangreichsten Sammlungen von sehr persönlichen Stellungsnahmen von Menschen aus vielen Ländern nicht nur über die NS-Zeit.

Die Filmschüler erreichten unter anderem mit dem Würzburger Friedenspreis, dem Preis für den besten Dokumentarfilm bei den professionellen Nordischen Filmtagen, der Verdienstmedaille der US-Armee bis zum Marion-Samuel-Preis außergewöhnliche Auszeichnungen.

Was sind unsere Ziele für die nächsten Jahre?

Unsere generationenübergreifenden Filme werden mit der Krankheit und dem Tod unserer Augenzeugen immer wertvoller. Unsere Filme zeigen, dass junge Menschen in der Lage sind, die Erinnerung an all diese Menschen wach zu halten, nicht nur in Deutschland, sondern wo immer auf dieser Welt.

In den letzten Jahre erleben wir einen Niedergang der politischen Glaubwürdigkeit und zugleich eine zunehmende Radikalisierung. Gerade deshalb ist es notwendig, dass die Filmschülerinnen und Filmschüler ihre Arbeit in den nächsten Jahren rund um die Erde vermehrt vorstellen.

Dabei sind unsere Ansprechpartner innerhalb Deutschlands alle Bildungseinrichtungen, vor allem Schulen und Universitäten. Die Dörfer sind für uns weiterhin ein besonderer Ort der politischen Bildung; nirgendwo sonst haben wir die Möglichkeit, die Menschen aller Altersgruppen so zu erreichen.

Im Ausland bleiben die Goethe-Institute für uns die wertvollsten Partner. Unsere Filme in den verschiedensten Sprachen ermöglichen es uns, auch die Menschen ohne Deutschkenntnisse zu erreichen. Dabei wird uns weiterhin unsere Ausstellung, finanziert vom Goethe-Institut, in sieben verschiedenen Sprachen begleiten.

… zum Buch

Dieses Buch zeigt, dass Schüler die Welt verändern können. Schule kann ein faszinierendes Abenteuer sein. Dazu braucht es mutige junge Menschen voller Neugierde und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Das Buch berichtet, wie abenteuerlich, bewegend, kreativ, aber auch gefährlich es sein kann, wenn 12 bis 16-jährige Realschülerinnen und Realschüler sich auf den Weg machen, eine Vergangenheit zu entdecken, die sie selbst nie erleben konnten.

Dieses Buch zeigt, dass Zuhören keine Selbstverständlichkeit ist: Man kann es lernen, es kann begeistern und erschüttern, manchmal sprachlos machen. Am schmerzhaftesten war es, wenn wir erlebten, dass die Opfer jener Zeit auch heute angegriffen werden.

Wir mussten in diesen vielen Jahren lernen, dass es nicht reicht, zuzuhören. Brettheim hat uns gelehrt, wie wichtig es ist, Ungerechtigkeit nicht einfach hinzunehmen. Wir lernten, wie wichtig es ist, dabei gemeinsam nach Freunden zu suchen. Dann kann es sogar gelingen, dass mit Unterstützung des Bundespräsidenten die Todesurteile von 1945 aufgehoben werden.

Brettheim machte uns Mut, in vier Filmen in Gesprächen mit Augenzeugen auch die NS-Zeit in Rothenburg zu dokumentieren. Das Ende der jüdischen Gemeinde war dabei für uns eine ganz besondere Herausforderung.

Immer mehr richtete sich unser Blick auch auf die schrecklichen Schauplätze im Ausland. Es forderte all unseren Mut, nach Oradour zu reisen, einem Ort an dem 642 Menschen an einem Nachmittag ermordet wurden. Dass wir den Film drehen konnten, verdanken wir dem Überlebenden Robert Hébras und allen heutigen Einwohnern, die uns die Hand reichten.

Salle Fischermann und seiner Familie in Kopenhagen verdanken wir es, dass wir – im Gegensatz zum SS-Propagandafilm – das Leben und Sterben in Theresienstadt dokumentieren konnten.

In der sowjetischen Garnison Nohra erlebten wir – unmittelbar vor ihrem Abzug 1992 – wie ein Filmprojekt plötzlich auch die große politische Bühnen betritt, dank der Unterstützung durch das Auswärtige Amt.

Die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Armee begann 1992 mit der amerikanischen Fassung des Brettheim-Films. 2020, 75 Jahre nach dem Kriegsende, können wir sie mit einem Film fortsetzen, der erzählt, wie die Stadt Rothenburg vor der vollständigen Zerstörung durch mutige amerikanische Parlamentäre gerettet wird.

Das Buch endet mit einem Zeichen der Hoffnung. In all den Jahren ist die Filmgruppe immer wieder in der Region Rothenburg Menschen begegnet, deren Schicksal bis auf wenige Ausnahmen nie in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Und doch haben sie in der NS-Zeit gezeigt, dass ihr Mut und ihre Zivilcourage gerade heute für die junge Generation ein Vorbild sein könnte. Wir wollen diesen Helden mit ihrem Schicksal hier ein Gesicht geben.